Berichte

 

Das Fach „Kunst“ hat auf dem Stundenplan....

 

Von Petra Wolters

Heinsberg-Kempen.   Das Fach „Kunst“ hat auf dem Stundenplan der Grundschüler in der Kempener Nikolausschule einen ganz besonderen Stellenwert, bereits seit den vergangenen Herbstferien. Der Grund dafür: Die Schule wird für ein Kunstprojekt im Rahmen des Landesprogramms „Kultur und Schule“ gefördert. Und dies als einzige Grundschule im Stadtgebiet, wie Schulleiterin Elvira Tholen erklärt. Entwickelt hat sie das Projekt gemeinsam mit der in Birgelen lebenden Künstlerin Marita Hermanns. 

Alle 82 Kinder der Schule sind mittlerweile in das Projekt einbezogen und haben sich nacheinander in ihren vier Klassenverbänden mit je einem der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer befasst. Dabei ging es keineswegs allein darum, ein Bild zum Thema zu malen. „Wichtiger noch war, dass die Kinder in dazu passenden Prozessen ihre Künstlerseele entdecken“, so Hermanns. „Durch Wahrnehmungs- und Einfühlungsübungen haben sie gelernt, ihre inneren Kräfte und Ressourcen zu spüren.“ Erst das daraus Erlebte sei im Anschluss mit Acrylfarbe auf kleinen quadratischen Holzrahmen zum Ausdruck gebracht worden.

 



Auch Cassandra (9) und Luca (8) beteiligten sich wie ihre Mitschüler in der dritten Klasse mit viel Engagement am Projekt mit Künstlerin Marita Hermanns.  Foto: Petra Wolters

 

Ein Erlebnis zum Thema Luft war neben Informationen der Künstlerin zu diesem Element beispielsweise, die Farbe durch kleine Rohre zu pusten. Den Aspekt des Feuers integrierten die Kinder mithilfe von Kerzenwachs in ihre Bilder. „Bei dieser Art der Arbeit mit den Kindern geht es nicht so sehr ums kognitive Lernen im herkömmlichen Sinn, sondern tatsächlich darum, Kunst zu erleben“, freut sich die Schulleiterin über das gelungene Projekt, in dem mittlerweile 82 kleine Kunstwerke entstanden sind. Das Gesamtkunstwerk soll voraussichtlich in der Pausenhalle installiert werden. 

Die individuelle Vorgehensweise der Künstlerin trage dazu bei, dass bei den Kindern nicht nur ihre Bilder „hängenbleiben“ würden, sondern auch die Erinnerungen an die ganz persönlichen Erfahrungen, die sie jetzt schon selbst in der Welt der Kunst gemacht hätten, fügt Tholen hinzu. Ziel des NRW-Landesprogramms „Kultur und Schule“ sei es nämlich, Kindern und Jugendlichen, unabhängig von ihrem familiären Hintergrund, die Begegnung und die Zusammenarbeit mit Künstlern aller Sparten von Musik und Literatur über Kunst und Theater bis zum Tanz als Ergänzung zum schulischen Lernen zu ermöglichen.

Die insgesamt bearbeitete Thematik mit den vier Elementen als Basis allen Lebens passe zudem zum Leitspruch der Nikolausschule. „Ein wichtiger Schwerpunkt unserer erzieherischen Arbeit als katholische Grundschule ist, den Kindern eine besondere Achtsamkeit im Umgang mit der Schöpfung zu vermitteln, und diese vier Elemente sind Teil unserer Schöpfung“, so die Schulleiterin. Die guten Erfahrungen mit dem Kunstprojekt in diesem Schuljahr haben sie schon neue Pläne schmieden lassen: für ein Trommelprojekt im nächsten Jahr.

„Alles in allem ein sehr anspruchsvolles Projekt“, so die Künstlerin Marita Hermanns rückblickend auf die jetzt auslaufende Arbeit mit den Grundschülern. Sie will sich aber aufgrund der zugleich für sie sehr positiven Erfahrungen auch weiter künstlerisch für Schüler und mit ihnen zusammen engagieren. Sie denkt da zum Beispiel an Naturinstallationen, „vielleicht auch übergreifend mit mehreren Schulen gemeinsam“, sagt sie. 

Mai 2010


Die Konzentration bei Kindern fördern

Diplom-Pädagoge Detlef Träbert war bei einem Elternabend an der Nikolausschule in Kempen zu Gast

 

Von Petra Wolters
Heinsberg-Kempen. „Konzentration“ lautete das Thema eines Elternabends an der Kempener Grundschule. Und der Besuch von mehr als 60 Vätern und Müttern zeigte, dass dieses Phänomen bzw. die Probleme von Kindern damit nicht nur Schulleiterin Elvira Tholen und ihre Kollegen an der Schule beschäftigt, sondern auch die Eltern zu Hause. Die Schulleiterin hatte unter dem Stichwort „gegoogelt“, wie sie zur Einführung erzählte, und war so auf die Internetseite von „Schubs“ gelandet, dem Schulberatrungsservice des Diplom-Pädagogen Detlef Träbert aus Niederkassel, der zugleich Bundesvorsitzender von „Aktion Humane Schule“ ist. 


Diplom-Pädagoge Detlef Träbert (vorne) referierte nicht nur. Er motivierte die Teilnehmer auch, Übungen für mehr Konzentration gemeinsam mit ihm zu testen. Foto: Petra Wolters
  

„Jetzt konzentrier dich mal! Wann haben Sie das Ihrem Kind zuletzt gesagt?“, stieg der Referent fragend in die Thematik ein. „Auf Kommando geht es aber nicht!“, lieferte er die Antwort gleich dazu. Konzentration sei ein bisschen komplizierter, „und Sie werden überrascht sein, was alles damit zu tun hat.“ Zum Einstieg teilte er die bei Kindern zu beobachtenden Probleme in zwei Gruppen ein: Konzentrationsschwäche, die von Geburt an besteht und ihre Ausprägung bei sogenannten ADS- oder ADHS-Kindern zeigt, und Störungen der Konzentrationsfähigkeit, die viele andere Kinder betrifft.

Die Ursachen für Störungen der Konzentrationsfähigkeit seien in der heutigen Gesellschaft vielfältig, erläuterte Träbert. Sie beruhten etwa auf äußeren Lebensumständen der Familie, zum Beispiel durch Umzug oder Scheidung, auf Erziehungsfehlern bei Kleinkindern, wenn etwa Eltern ihre Hektik auf sie übertragen würden. Hinzu kämen physiologische Rahmenbedingungen wie falsche Ernährung, Bewegungsmangel oder zu wenig Schlaf. Eindeutige Empfehlung von Träbert hier: „Eine Stunde vor dem Schlafengehen kein Fernsehen mehr!“

Für die Schule seien vor allem ein gesundes Frühstück wichtig und Bewegung. „Pausen tun gut!“, so sein Credo. So empfiehlt er etwa bei den Hausaufgaben eine Pause von fünf Minuten alle 30 Minuten. „Nach ein bis eineinhalb Stunden gönne dir eine Pause von 20 Minuten!“ Wichtig sei auch, richtig zu sitzen. Sein Stichwort hier: „dynamisches Sitzen“, etwa auf einem Luftpolsterkissen. Der Pädagoge stellte den Teilnehmern praktische Übungen vor, wie sich die Konzentration, selbst während des Unterrichts, mit ganz einfachen Mitteln wieder herstellen lässt.

Da Kinder heute viele Termine hätten, sei es wichtig, ihre Freizeitbedürfnisse zu sichern, dabei aber auch die Pflichten mit einzubeziehen, betonte er. Dafür hat er einen sogenannten Wochenplan entwickelt und vorstrukturiert, auf dem Kinder und Eltern neben den normalen Schulstunden auch alle übrigen Termine bis in den Abend fest eintragen können. Wichtig sei, eine Reihenfolge festzulegen, bei der das einfachste immer zuerst erledigt werde, empfahl er. „Ich hoffe, ich habe Sie ein wenig geschubst“, schloss er seinen Vortrag, bei dem er seine Teilnehmer sogar motivieren konnte, mit ihm zusammen Bewegungsübungen für mehr Konzentration auszuprobieren.

Weitere Informationen: www.schulberatungsservice.de

Januar 2009